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Max Rubner

Portrait von Max Rubner und darunter seine Unterschrift

Ein Wissenschaftler für das Volk

Hochaktuell erscheint heute ein wesentliches Forschungsgebiet des Wissenschaftlers Max Rubner: Mit Hilfe von selbst entwickelten Apparaten kämpfte er um die objektive Messung des Energiegehaltes von Lebensmitteln. Wie viele Kalorien enthält welche Nahrung und wie viele davon braucht der Mensch, um gesund zu bleiben? Auch wenn es Rubner dabei in erster Linie darum ging, die Menschen vor Unterernährung zu schützen – heute dagegen der Brennwert von Lebensmitteln insbesondere beim Kampf gegen das Übergewicht im Blickpunkt steht – so waren es doch seine Messungen und Versuche, die die wissenschaftlichen Grundlagen für dieses Gebiet der Ernährungsforschung legten. Auch Dank seinem Motto „Keinen Tag ohne Experiment vergehen lassen“ gelang es Rubner, diese Grundlagen so abzusichern, dass deren Anerkennung gewiss war und er am Ende seiner beruflichen Tätigkeit anderen gelassen raten konnte: „Man sollte nicht verzagen, wenn wissenschaftliche Ergebnisse sich nicht gleich durchsetzen. Können doch acht bis zehn Jahre vergehen, ehe wirklich etwas Neues anerkannt wird.“ Tatsächlich schuf Max Rubner mit seinen experimentellen Arbeiten die Basis für die heute noch gültigen Kalorientabellen. Ihm gelang es, die Richtigkeit des Satzes von der Erhaltung der Energie auf den Menschen und seine Ernährung zu übertragen.

Doch Max Rubner beschränkte sich in seiner wissenschaftlichen Arbeit keineswegs auf die Messung von Energiegehalten von Lebensmitteln. Sein Studium der Medizin, die wissenschaftliche Vertiefung in die Physiologie und nicht zuletzt die Tätigkeit als Professor für Hygiene machten ihm den Weg frei für eine interdisziplinäre Forschung, die vor allen Dingen den Nutzen für die Bevölkerung im Blick behielt. So hat sich Max Rubner mit dem Wert der Weizenkleie für die menschliche Ernährung (Habilitationsschrift) ebenso befasst wie mit der Wirkung von Luftfeuchtigkeit auf verschiedene Stoffe, mit hygienischen Fragen zum Bau und Betrieb von Krankenhäusern und vielem mehr. Auch seine Mitwirkung in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien und seine Tätigkeit als Gutachter erforderten es, für neue Themen stets offen zu sein. Eine Herausforderung, die er gerne annahm und als Lehre aus seinem Leben den Nachfolgenden zur Aufgabe machte: „Man soll sich nicht auf ein enges Gebiet einspinnen, sondern möglichst vielseitig– auch in der Methodik – sein.“

Sehr früh erkannte Max Rubner, dass wissenschaftliche Erkenntnis nur dann Früchte tragen kann, wenn sie möglichst breiten Kreisen zugänglich gemacht wird. Entsprechend bemühte er sich, die Ergebnisse seiner Ernährungsforschung durch Merkblätter, allgemein verständliche Aufsätze und öffentliche Vorträge bekannt zu machen. Die ungeheure Zahl von 361 Schriften, die Rubner im Laufe seines Lebens verfasste oder an denen er sich beteiligte, zeigen, wie ernst es ihm mit dem Wissenstransfer war.

Nicht zuletzt durch die geschichtliche Entwicklung, den ersten Weltkrieg und die nachfolgende Hungerzeit waren Rubners Wissen und Forschungsergebnisse während seiner beruflichen Tätigkeit und über diese hinaus stets sehr gefragt. 1914 wurde er zum Mahner in Sachen Versorgungssicherheit der deutschen Bevölkerung. Im Gegensatz zur Einschätzung des stellvertretenden Kriegsministers, der ihm auf ein Schreiben sinngemäß antwortete, dass ein rasches Kriegsende die Ernährungsproblematik gar nicht erst entstehen lassen würde, war seine Prognose korrekt.

Insgesamt musste sich Max Rubner in seiner wissenschaftlichen Laufbahn nur sehr selten korrigieren. Doch in einem Punkt hat sich der unermüdliche Wissenschaftler tatsächlich geirrt: Verärgert über seine Emeritierung im Jahr 1923 zählte Max Rubner unter den Dingen, die „man aus meinem Leben lernen kann“ als letzten Punkt auf „... dass man bei den Menschen auf Dankbarkeit manchmal, auf die des Staates aber niemals rechnen kann.“ Neben zahllosen Ehrungen und Preisen, mit denen Max Rubner im Leben wie nach seinem Tode bedacht wurde, dankt ihm die Bundesrepublik Deutschland nun mit einer ganz besonderen Anerkennung für seine große wissenschaftliche Leistung, sein herausragendes Engagement und seine Ausdauer: Im Jahr 2008 wurde die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel umstrukturiert und in „Max Rubner-Institut“ (MRI) umbenannt.