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Volle 6 Monate: Neue AWMF-S3-Leitlinie zur Stilldauer schafft wissenschaftliche Orientierung in Deutschland

Pressemitteilung der Nationalen Stillkommission vom 20.02.2026

Mit der Veröffentlichung der AWMF-S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ liegt in Deutschland erstmals eine evidenzbasierte Leitlinie zur optimalen Stilldauer von Säuglingen vor. Damit wird eine langjährige Lücke in der nationalen Versorgungs- und Beratungspraxis geschlossen.

Zentraler Bestandteil der Leitlinie ist die Empfehlung, reifgeborene Säuglinge bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich bzw. überwiegend zu stillen. Diese Empfehlung stellt gegenüber den früheren nationalen Orientierungshilfen eine  wissenschaftliche Präzisierung dar und entspricht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie der Mehrzahl internationaler Leitlinien.

Der Leitlinie ging ein intensiver Arbeits- und Konsensprozess voraus, an dem zahlreiche wissenschaftliche Fachgesellschaften unterschiedlicher Disziplinen beteiligt waren. Im Prozess wurden mehrere hundert internationale Originalarbeiten systematisch recherchiert, kritisch bewertet und methodisch ausgewertet. Die Empfehlungen der Leitlinie bilden somit den aktuellen Stand der Wissenschaft ab und beruhen auf einem breit getragenen fachlichen Konsens.

„Diese Leitlinie markiert einen wichtigen Meilenstein für die Stillförderung in Deutschland“, erklärt Prof. Dr. Alfred Längler, Sprecher der Nationalen Stillkommission. „Sie schafft erstmals eine wissenschaftlich fundierte und transparente Grundlage für Beratung, Versorgung und gesundheitspolitische Entscheidungen. Zugleich ist uns bewusst, dass die neuen Empfehlungen bestehende Routinen und langjährige Praxis verändern werden und ein Umdenken bei Fachpersonal, Institutionen und nicht zuletzt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung erfordern.“

Die Leitlinie empfiehlt außerdem eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten. Die Auswertung der Evidenz zeigt, dass Muttermilch auch im zweiten Lebenshalbjahr einen relevanten Beitrag zur Ernährung von Säuglingen leistet und mit überwiegend protektiven Effekten für kindliche – und teilweise auch mütterliche – Gesundheitsoutcomes verbunden ist.

Mit der Veröffentlichung der Leitlinie stehen neben den Empfehlungen auch ausführliche Hintergrundtexte, Evidenzbewertungen und der Leitlinienreport zur Verfügung. Damit bietet sie eine belastbare Grundlage für eine sachliche, evidenzorientierte Weiterentwicklung der Stillberatung und Stillförderung in Deutschland.

 

Weiterführende Informationen zur Leitlinie: