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2026: Internationales Jahr der Landwirtin

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Arganöl-Produktion stärkt Frauen in Marokko

Frauen tragen weltweit entscheidend zur Landwirtschaft bei. Dennoch sind sie Männern gegenüber benachteiligt: Sie verfügen beispielweise seltener über Land und erhalten für ihre Arbeit meist weniger Lohn. Um diese Ungleichheiten sichtbarer zu machen, haben die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum „Internationalen Jahr der Landwirtin“ erklärt. Wie die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion Frauen stärken kann, zeigt der Hintergrund eines Projekts am MRI zur Qualität von Arganöl.

Arganöl wird in Marokko traditionell von Frauen hergestellt. Früher produzierten sie das Öl zu Hause in aufwendiger Handarbeit. Bei der manuellen Herstellung werden die Argankerne mit Steinen aufgeschlagen und die darin enthaltenen Mandeln nach dem Rösten mit kleinen Handmühlen gemahlen. Nach Zugabe von Wasser wird die so entstandene Paste von Hand geknetet und das dabei freigesetzte Öl gewonnen. Die Frauen wurden für diese Arbeit nicht bezahlt; in der Regel verkauften ihre Männer das Öl auf lokalen Märkten.

Heute haben sich viele Frauen in Kooperativen zusammengeschlossen, um Arganöl gemeinsam herzustellen und selbst zu vermarkten. Das marokkanische Amt für die Entwicklung von Genossenschaften (Office de Développement de la Coopération) zählt 683 Frauenkooperativen mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Diese Strukturen verbessern nicht nur die Produktions- und Vertriebsorganisation, sondern fördern auch den sozialen Austausch zwischen den Frauen sowie deren Unabhängigkeit. Die Kooperativen investieren zudem in mechanische Pressen, um die Arbeit zu erleichtern. Dadurch können die Arganmandeln effizienter verarbeitet und die Produktionskapazität erhöht werden. 
Durch die Arganöl-Kooperativen hat sich eine bisher unbezahlte Hausarbeit zu einer strukturierten, bezahlten Beschäftigung entwickelt. Frauen in den ländlichen Gebieten Marokkos haben so Zugang zu einem regelmäßigen Einkommen. Diese wirtschaftliche Unabhängigkeit stärkt die Frauen innerhalb der Familie und in der Gesellschaft und verbessert den Zugang ihrer Kinder zu Gesundheitsversorgung und Bildung. Neben der Arganöl-Produktion dienen die Kooperativen auch als Orte für Schulungen: Die Frauen werden etwa in Verwaltungs- und Finanzmanagement, Produktqualität und Marketing unterrichtet und lernen internationale Standards kennen (zum Beispiel Bio-Zertifizierungen). Nicht zuletzt verbessert sich auch die ökologische Nachhaltigkeit. Zur Sicherung ihrer wirtschaftlichen Zukunft unterstützen die Kooperativen den Schutz und die Wiederaufforstung der Arganwälder. Dies trägt zur Verhinderung der Wüstenbildung in diesen Gebieten bei.

Die Produktion von Arganöl in Marokko ist ein aktuelles Beispiel für nachhaltige Entwicklung. Es zeigt, dass Landwirtschaft auch soziale Veränderungen herbeiführen kann. So erleben die Frauen in den Kooperativen Tag für Tag, dass ihre Arbeit viel mehr ist als nur Lebensmittelproduktion.

Vogelperspektive auf ein Glasschälchen, in dem eine gelbe Flüssigkeit ist. Drumherum liegen Früchte und Blätter eines Arganbaums.

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