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Institut für Sicherheit und Qualität bei Obst und Gemüse

Laser-Labeling

Ein modernes Beschriftungsverfahren für Obst und Gemüse

© Herzapfelhof, Meike Lühs

Wo kommt die Tomate her? Ist die Gurke bio oder nicht? Wurde die Banane wirklich fair gehandelt – oder liegt sie nur zufällig bei den FairTrade-Früchten? Fragen wie diese beschäftigen zunehmend Verbraucherinnen und Verbraucher beim Lebensmittelkauf. Um das Informationsbedürfnis über die Produkte zu befriedigen, müssen Lebensmittel heute gut gekennzeichnet sein. Denn neben dem optischen Eindruck, dem Geschmack und dem gesundheitlichen Wert sind für viele Menschen heutzutage oft weitere Produkteigenschaften kaufentscheidend. Wichtige Begleit-Informationen sind etwa der Produktionsort, die Sorte und die Vermarktungs- oder Anbauweise. Die konventionellen Informationsträger, wie Verpackungen, Banderolen oder Klebeetiketten, haben aber unangenehme Nebeneffekte: alle müssen recycelt oder entsorgt werden, Banderolen und Klebeetiketten können darüber hinaus verloren gehen. Könnte es da nicht eine Alternative sein, wichtige Produktinformationen permanent am Lebensmittel selbst anzubringen?

Laser-Labeling macht‘s möglich

Ähnlich wie bei Anwendungen in der Medizintechnik können Laserstrahlen auch bei Lebensmitteln dazu eingesetzt werden, um Oberflächenstrukturen zu verändern oder Material in begrenztem Umfang abzutragen. Mit anderen Worten: Lasertechnologie macht es möglich, Fruchtoberflächen einzufärben oder zu strukturieren und auf diese Weise dauerhaft sichtbare Schriftzüge, Symbole und sogar Strichcodes zu erzeugen. So lassen sich wichtige Informationen direkt am Lebensmittel anbringen - ganz ohne Plastikmüll und unverlierbar! Weil es sich um ein nachhaltiges Verfahren handelt, wird Laser-Labeling auch oft als „Natural Branding“ bezeichnet. Einige Lebensmittel-Einzelhändler und -Vermarkter hat das Konzept schon überzeugt: Laser-markiertes Obst und Gemüse ist bereits stellenweise im Einzelhandel erhältlich.

Eine Lösung für alle Früchte?

Den ökologischen und ökonomischen Vorteilen stehen zwei mögliche Probleme gegenüber: Einerseits kann durch die Verletzung der äußeren Schalenschickt die Haltbarkeit der Früchte verringert werden, andererseits kann das Lasern Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Fruchtschale haben. Ob diese Probleme wirklich relevant sind, hängt jedoch von der Art der Frucht ab. Typischerweise wird Laser-Labeling bisher bei Früchten mit einer dicken oder festen Schale eingesetzt, wie z.B. bei Zitrusfrüchten, Avocados, Mangos, Süßkartoffeln, Ingwer oder Bananen. Bei diesen Früchten ist die Lasermarkierung besonders gut möglich, weil die oberflächlichen Veränderungen im Bereich der Schale kaum Auswirkungen auf die Haltbarkeit des Produkts haben. Da die Schalen dieser Früchte zudem nicht verzehrt werden, stellt sich in diesem Fall die Frage nach der gesundheitlichen Unbedenklichkeit nicht. Bei Früchten mit weichen oder dünnen Schalen wie Äpfeln oder Tomaten ist eine exakt dosierte Lasermarkierung zum einen technisch schwieriger, zum anderen können diese Früchte nach einer Laserbehandlung anfälliger gegen Wasserverlust und Verderb sein. Es wird zudem eine Datenbasis benötigt, auf deren Grundlage Empfehlungen gegeben werden können, ob die laserbestrahlten Schalenbereiche mitverzehrt werden können oder vorsichtshalber entfernt werden sollten.

Laser-Labeling bei Äpfeln

Während es in den vergangenen Jahren bereits einige wissenschaftliche Untersuchungen zur Haltbarkeit lasermarkierter Früchte gab, sind die Auswirkungen der Laserstrahlung auf die Inhaltsstoff-Zusammensetzung der Fruchtschale bisher weitgehend unerforscht. Das Max Rubner-Institut in Karlsruhe und die Hochschule Osnabrück untersuchen daher in einem aktuellen Forschungsprojekt am Beispiel des Apfels gemeinsam, welche Veränderungen in der Schale infolge einer Laserbehandlung auftreten. Hierzu werden Äpfel der Sorte Braeburn mit verschiedenen Dosen Laserenergie behandelt. Anschließend finden sowohl mikroskopische und sensorische Analysen als auch eine umfangreiche Inhaltsstoffanalyse statt. Ziel ist es zum einen, die biologische Reaktion der Frucht auf die Laserbehandlung zu verstehen; zum anderen sollen Konzentrationsveränderungen bei bekannten als auch unbekannten Verbindungen erfasst werden, um Aussagen zur Auswirkung der Laserbehandlung auf der Inhaltsstoffe-Ebene treffen zu können.