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Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch

Bakterielle Starter- und Schutzkulturen

In Salami enthaltene Laktobazillen unter dem Elektronenmikroskop
Laktobazillen (Milchsäure-Stäbchen) in
Salami unter dem Elektronenmikroskop

Als bakterielle Starter- und Schutzkulturen für Fleisch und Fleischerzeugnisse kommen überwiegend Milchsäurebakterien und Staphylokokken zum Einsatz. Die verwendeten Kulturen müssen spezifische Anforderungsprofile erfüllen, die sie für den jeweiligen Zweck nutzbar machen. Starterkulturen werden vor allem bei der Herstellung von Rohwurst eingesetzt. Sie halten unerwünschte Mikroorganismen in Schach, liefern wichtige Beiträge zur Fermentation und machen die Produkte in sensorischer Hinsicht kalkulierbar. Schutzkulturen sind vor allem bei vorverpackter, kühlgelagerter Aufschnittware aus Kochschinken und Brühwurst eine interessante und nachhaltige Alternative zu chemischen Konservierungsstoffen und physikalischen Methoden wie der Nacherhitzung. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Kulturen steht dabei an erster Stelle. Solche Kulturen dürfen keine Krankheiten bei Mensch und Tier verursachen, keine klinische relevanten Antibiotikaresistenzen aufweisen und keine gesundheitsschädlichen Stoffe produzieren. Sie müssen in der Lage sein, in ausreichendem Maße einerseits gewünschte Veränderungen im Lebensmittel zu leisten und andererseits die Vermehrung unerwünschter Mikroorganismen zu verhindern. Mikroorganismen, die sich unter den gewählten technologischen Voraussetzungen natürlicherweise in Fleisch und Fleischerzeugnissen vermehren und gegen die unerwünschte Kontaminationsflora durchsetzen können, werden diesen Anforderungen am ehesten gerecht. Die Arbeiten hierzu zählen zu den Daueraufgaben des Instituts und sind von großer Bedeutung für die Produktsicherheit und -hygiene sowie eine nachhaltige Prozess- und Produktqualität bei Fleisch und Fleischerzeugnissen. Sie liefern eine wichtige Grundlage für die Risikobewertung dieser Lebensmittelkategorie und führen insgesamt zu einem besseren Verständnis der produkttypischen Mikroflora.

Feldstudien haben gezeigt, dass bei vorverpackter, kühlgelagerter Aufschnittware aus Kochschinken und Brühwurst mit Ablauf des Haltbarkeitsdatums regelmäßig hohe Milchsäurebakterienkeimzahlen vorliegen, die von den Arten Lactobacillus sakei und Leuconostoc carnosum dominiert werden. Geeignete Vertreter beider Arten kommen daher als Schutzkulturen in Betracht, um eine Vermehrung von Listeria monocytogenes auf diesen Produkten zu verhindern. In den Lactobacillus sakei Stämmen Lb674 und LTH673 wurde neben dem Bacteriocin Sakacin P ein weiteres Bacteriocin, Sakacin Q, beschrieben, welches das antimikrobielle Spektrum dieser Stämme erweitert. Fortschritte bei der Identifizierung von Mikroorganismen führten darüber hinaus zur Beschreibung einer neuen Art, Lactobacillus versmoldensis, die in hoher Keimzahl in bestimmten gereiften Rohwürsten vorkommt. Im Zusammenhang mit dem zunehmenden Einsatz probiotischer Bakterien auch bei Fleischerzeugnissen wurden kommerziell verfügbare Stämme sowie Stämme aus entsprechenden Rohwürsten isoliert, typisiert und im Produkt getestet. Diese Arbeiten sind von Bedeutung für die Beurteilung von Lebensmitteln, die als probiotisch beworben werden. Gegenwärtig werden qualitative und quantitative Untersuchungen zur Mikroflora von vorverpacktem Rohschinkenaufschnitt durchgeführt und das Verhalten kommerzieller Starter- und Schutzkulturen bei der Herstellung derartiger Produkte untersucht.