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Brotgetreideernte 2026

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Gute Getreidequalitäten, aber auch Ausbeuteverluste durch Schmachtkorn sind möglich

Im Rahmen der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung 2026 wurden 1118 Weizenproben und 478 Roggenproben eingereicht. Bislang konnten rund 74 % der Weizen- und 42 % der Roggenproben auf verschiedene Qualitätsparameter und auf die Belastung mit Mykotoxinen hin analysiert werden.

Die Bedingungen für die Aussaat des Wintergetreides waren überwiegend günstig. Ausreichende Bodenfeuchtigkeit bewirkte eine sehr gute anfängliche Entwicklung der Bestände. Eine erste Kältewelle Ende November erhöhte zudem die Frosthärte des Getreides. Ab März setzten Trockenperioden regional den Beständen zunehmend zu. Neben sichtbaren Entwicklungsrückständen wirkte sich die Trockenheit dennoch auch positiv auf die Blattgesundheit des Getreides aus: Der Krankheitsdruck durch Pilzinfektionen blieb gering. Erst im Mai durchbrachen wiederholte Gewitter mit Starkregen bundesweit die Wetterlage. Im Juni sorgten Trockenheit und Hitze für Stress und deutlich schlechtere Vegetationsbedingungen. Die deutschlandweit an vielen Orten über mehrere Tage gemessenen Rekordtemperaturen rund um die 40-Grad-Marke führten bei allen Getreidearten zu Hitzestress und vielerorts zu einer beschleunigten Abreife. Die beschleunigte Abreife in Folge der Hitzewelle unterbrach somit vorzeitig die Kornfüllungsphase und die Winterweizen- und Winterroggenernte startete zeitig im Juli. Insgesamt wurde die Ernte unter trockenen und heißen Bedingungen nur selten von lokalen Unwettern unterbrochen. Sie konnte in den Bundesländern meist frühzeitig abgeschlossen werden. Entsprechend sind sowohl beim Weizen als auch beim Roggen Auswuchspartien in diesem Jahr ein sehr seltenes Bild.

Die diesjährige Winterweichweizenernte weist im Durchschnitt aller untersuchten Proben aus dem Bundesgebiet einen Rohproteingehalt von 12,4 % auf (Vorjahr: 12,3 %). Durchschnittliche Rohproteingehalte von 13 % und mehr wurden in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ermittelt. Der Sedimentationswert, ein indirektes Maß zur Bestimmung der Proteinqualität, liegt mit 39 ml unter dem Niveau des Vorjahreswertes (44 ml). Demgegenüber läuft der Feuchtklebergehalt im Schrot mit einem Wert von 25,7 % diesem Trend entgegen (Vorjahr: 24,0 %). Allerdings gibt es große regionale Schwankungen bei den Kleberqualitäten, die von der Sortenwahl und vom Erntezeitpunkt abhängig sind. Insgesamt ist die Klebergüte als gut dehnbar und elastisch einzustufen. Die trockene Abreife und der schnelle Ernteverlauf spiegeln sich auch im Parameter der Fallzahl wider. Sie liegt im Mittel bei 365 Sekunden und damit deutlich über dem Wert des Vorjahres von 289 Sekunden. Lediglich 1,3 % der diesjährigen Weizenernte erbringen nicht die vom Handel geforderte Mindestfallzahl von 220 Sekunden und 0,3 % der untersuchten Proben erreichen nicht eine Fallzahl von 120 Sekunden. Mittlere Fallzahlen von unter 300 Sekunden konnten in keinem Bundesland ermittelt werden. Nur Niedersachsen und Schleswig-Holstein kamen auf Werte unter 350 Sekunden. Mit 0,01 % ist Auswuchs in diesem Jahr kaum ein Problem. Das Hektolitergewicht ist allerdings aufgrund der verkürzten Kornfüllphase, bedingt durch Hitze und Trockenheit, leicht unterdurchschnittlich. Mit 76,4 kg/hl schließt es sich dem Wert des Vorjahres (76,8 kg/hl) an. Ebenfalls der Trockenheit und Hitze geschuldet liegt der Schmachtkornanteil in diesem Jahr bei 1,47 %. Bei Maximalwerten von bis zu 11,8 % kann dieser in den Mühlen deutliche Ausbeuteverluste verursachen.

Auch beim Roggen sind die Auswirkungen des warmen und trockenen Sommers in den Qualitäten sichtbar. Insgesamt ist die Qualität der diesjährigen Roggenernte mit einem Brotroggenanteil von 99,7 % als sehr gut einzuordnen. Die mittleren Fallzahlen liegen im Durchschnitt bei 292 Sekunden (Vorjahr: 216 Sekunden). Werte weit unter 180 Sekunden konnten an den bisher untersuchten Mustern nur vereinzelt in Brandenburg festgestellt werden. Analog dazu weist die Stärkebeschaffenheit hohe Verkleisterungstemperaturen und Amylogramm-Maxima auf (76,0 °C; 1292 AE). Infolgedessen stehen auch in diesem Jahr nur wenig schwächere Qualitäten zum Abmischen für Mühlenmischungen zur Verfügung. Das Hektolitergewicht (74,8 kg/hl) hat sich gegenüber dem Vorjahr (73,3 kg/hl) leicht erhöht. Der Anteil an Schmachtkorn ist mit 3,8 % gegenüber dem Vorjahr (1,9 %) deutlich angestiegen und wird regional vereinzelt bei Maximalwerten von bis zu 37,9 % zu deutlichen Ausbeuteverlusten in den Mühlen führen. Übereinstimmend mit dem höheren Schmachtkornanteil ist in diesem Jahr der Mineralstoffgehalt im Mittel höher als im Vorjahr (1,70 %; Vorjahr: 1,61 %). Das Vorkommen von Mutterkorn (0,11 Gew.%) ist aufgrund der Wetterbedingungen während der Blüte gegenüber dem Vorjahr (0,08 Gew.%) erhöht. Mindestens 49 % der Proben zeigen in diesem Jahr einen überhöhten Anteil (> 0,02 Gew.%) mit Mutterkornsklerotien. Das Maximum liegt derzeit bei 2,61 %. Eine aufmerksame Getreideannahme und gründliche Reinigung sind daher auch in diesem Jahr geboten, um sichere Lebensmittel herzustellen.

Für die diesjährige Roggen- und Weizenernte ergab sich aus den Wetterbedingungen eine komplexe Situation für die Infizierung mit Feldpilzen und die Bildung von Mykotoxinen. Während einerseits die Mutterkorngehalte erhöht sind, zeigen die Untersuchungen von Roggen- und Weizenproben auf Fusarium-Mykotoxine andererseits ein eher geringes Vorkommen. Zum aktuellen Stand liegen die festgestellten Konzentrationen von Deoxynivalenol und Zearalenon unter den Werten des Vorjahres. Die Grenzwerte werden in allen untersuchten Getreideproben eingehalten.


Der Zwischenbericht des Max Rubner-Institutes zur Besonderen Ernte- und Qualitätsuntersuchung (BEE) kann hier abgerufen werden.

 

 

Nahaufnahme eines Getreidefeldes

© pixelio.de/Rainer Sturm