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Nationales Referenzzentrum

Nationales Referenzzentrum für authentische Lebensmittel

© iStockphoto.com/ isak55

Wer erinnert sich nicht an den Pferdefleischskandal im Jahr 2013? Statt Rindfleisch fand sich in Lasagne, Bolognese und vielen anderen Fertigprodukten Pferdefleisch. Ein Beispiel von vielen, in denen verwendete Lebensmittel nicht der Deklaration auf der Verpackung entsprechen. Mit dem Nationalen Referenzzentrum für authentische Lebensmittel am Max Rubner-Institut hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen Lebensmittelfälschung etabliert.

Die Europäische Union (EU) schätzt den jährlichen Schaden durch Lebensmittelbetrug (Food Fraud) – die betrügerische Verfälschung von Lebensmitteln, mit dem Ziel, durch vorsätzliche Täuschung einen finanziellen Vorteil zu erlangen – auf nicht weniger als 30 Milliarden Euro; durchaus vergleichbar mit dem Schwarzmarkt im Heroinhandel. Ob Pferdefleisch an Stelle von Rindfleisch, minderwertiges Öl statt Olivenöl Extra Virgine oder Eier aus Boden- statt aus Freilandhaltung: Lebensmittelbetrug ist eine Straftat – unabhängig davon, ob von der Fälschung eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucherinnen und Verbrauchern einhergeht, oder nicht.

Die Authentizität eines Lebensmittels (von spätlat. authenticus, griech. Authentikós, bedeutet „den Tatsachen entsprechend“, „glaubwürdig“ oder „echt“) kann sich neben der Tier- oder Pflanzenart und der Produktionsweise auch über die geographische Herkunft und andere wertgebende Bestandteile definieren: Ist die im Restaurant bestellte und gebratene Seezunge wirklich kein billigerer Pangasius, der Feta-Käse wirklich aus Schafs- und nicht aus Kuhmilch, der Bio-Apfel tatsächlich ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel angebaut worden, der Prosecco aus der genannten Anbauregion in Italien importiert und ist ein entsprechend ausgelobtes Speiseöl wirklich reich an Omega-3-Fettsäuren? Die analytische Überprüfung solcher Angaben leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufdeckung von Lebensmittelkriminalität und zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Irreführung.

Umsetzung EU-Richtlinie


Mit dem Nationalen Referenzzentrums für authentische Lebensmittel (NRZ-Authent) am Max Rubner-Institut setzt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die in der EU-Kontrollverordnung (EU VO 2017/625) geforderte Einrichtung von „Referenzzentren für die Authentizität und Integrität der Lebensmittelkette“ auf nationaler Ebene um und stärkt die Abwehr von Lebensmittelfälschung entscheidend. Das NRZ-Authent unterstützt mit seiner Arbeit vor allem die Lebensmittelüberwachungsbehörden und die örtlichen Untersuchungsämter in Deutschland. Um den grenzübergreifend arbeitenden Lebensmittelfälschern das Handwerk zu legen, ist aber zusätzlich eine europäische und internationale Zusammenarbeit unerlässlich.

Analytik – ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Lebensmittelbetrug


Die analytische Überprüfung von produktbezogenen Angaben leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufdeckung von Lebensmittelkriminalität und zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Irreführung. Dafür sind eine Bandbreite an analytischen Verfahren inklusive verlässlicher Referenz-Datenbanken für den analytischen Abgleich (= Vergleich Analyseergebnis der Probe mit dem einer authentischen Referenz) sowie Fachexperten und -expertinnen notwendig. Es gilt entlang der gesamten Lebensmittelkette potenzielle Problemstellen vorausschauend auszumachen, mithilfe des umfangreichen analytischen Werkzeugkastens nachzuweisen und somit einen wertvollen Beitrag zur Aufdeckung von betrügerisch-kriminellen Machenschaften zu leisten.

Aufbau und Aufgaben


Das neue Zentrum wird die Forschung des MRI und die anderer Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet koordinieren, als nationale Kontaktstelle das deutsche Wissen mit dem geplanten europäischen Referenzzentrum und anderen Institutionen vernetzen und beratend nach allen Seiten wirken.

Die Aufgaben des NRZ-Authent lassen sich in drei große Gebiete gliedern:

1. Experten- und Expertinnen-Netzwerk:

  • Bündelung, Bereitstellung von Fachwissen
    = Information
  • Regelmäßiger Austausch und Weiterbildung
    = Kommunikation
  • Schnittstelle zwischen dem deutschen Fachkompetenznetzwerk und Organisationen und Aktivitäten auf europäischer und internationaler Ebene
    = Koordination

2. Referenzen:

  • Aufbau und Bereitstellung einer nationalen Datenbank mit Analyseergebnissen von authentischen Referenzproben
    = Deutschlandweiter einheitlicher Abgleich und Beurteilung von Lebensmittelproben
  • Herstellung und Bereitstellung von dotierten Lebensmitteln
    = Kalibrierung von Analysemethoden
  • Schnittstelle zu vorhandenen Sammlungen von authentischen Lebensmittelreferenzmaterialien auf nationaler (z. B. Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung – BAM) und europäischer Ebene (z.B. Joint Research Center – JRC – der Europäischen Kommission)
    = Koordination


3. Analytische Kompetenz:

  • Interne und inter-organisatorische Mitarbeit/ Unterstützung bei der Entwicklung, Validierung, Standardisierung und Auswahl von analytischen Methoden zur Überprüfung der Lebensmittel-authentizität in Bezug auf
    • die geographische Herkunft
    • den Herstellungsprozess
    • wertgebende Bestandteile
    • Tier-/Pflanzen-Arten und -Sorten
  • Standortübergreifende Schnittstelle und Koordination aller innerhalb des MRI laufenden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in den oben genannten Bereichen der Lebensmittelauthentizität


Ein Lenkungsausschuss wird bei wichtigen strategischen Entscheidungen des Referenzzentrums beraten und gemeinsam mit der Leitung des NRZ-Authent entscheiden.

Vernetzung auf nationaler und internationaler Ebene


Das NRZ-Authent ist eng vernetzt auf nationaler Ebene mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und dem Bundesinstitut für Risikobewertung. Ebenso findet auf Länderebene eine Vernetzung mit den Überwachungseinrichtungen, den Forschungseinrichtungen statt, wie zum Beispiel mit den Universitäten, oder auch den für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Ministerien. Weiterhin ist langfristig auch eine internationale Vernetzung durch die Mitarbeit in internationalen Projekten geplant. Das NRZ-Authent profitiert hier auch von den bereits bestehenden Netzwerken der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der verschiedenen Institute des Max Rubner-Instituts.