Mikroalgen: nachhaltige Futterkomponente für höhere Fischqualität

Die Aquakultur wird für die Versorgung mit Speisefisch immer wichtiger. Dabei rückt die nachhaltige Erzeugung in den Fokus. Es gilt, nicht nur Ressourcen effizient zu nutzen, sondern auch die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher zu erfüllen. Durch den Einsatz alternativer Futterkomponenten lassen sich natürliche Fischbestände schonen. Bezüglich der Verwendung von Mikroalgen gibt es Hinweise, dass die darin enthaltenen Makro- und Mikronährstoffe (Proteine, Lipide, Vitamine, Mineralstoffe) den Gesundheits- und Immunstatus von Fischen positiv beeinflussen können. Zusammen mit optimierten Haltungsbedingungen könnten sich wichtige Beiträge für die Nachhaltigkeit ergeben, die mit besserer Fischgesundheit und höherer Produktqualität einhergehen.
Das im Innovationsraum „Bioökonomie auf Marinen Standorten“ angesiedelte Projekt BioFiA („Bioindikatoren für die Evaluierung der Haltung, Gesundheit und Produktqualität von Fischen in differenten Aquakultursystemen“ ) untersuchte die Eignung von Mikroalgen als Futterkomponente für den Atlantischen Lachs (Salmo salar). Das Ziel bestand darin, das Tierwohl zu optimieren sowie die Leistungsfähigkeit der Fische und die Produktqualität zu verbessern.
Fütterungsversuche mit verschiedenen Mikroalgen
Die BioFiA-Projektpartner führten am Fraunhofer IMTE in Büsum drei Fütterungsversuche an jungen Atlantischen Lachsen in Kreislauf-Anlagen durch. Unter Erhalt des Energie- und Proteingehalts wurden dem Futter unterschiedliche Mikroalgen-Spezies zugesetzt. Mit den Fütterungsversuchen sollten die Spezies, die sich als Futterkomponente besonders eignen, ausgewählt und deren optimale Dosierung ermittelt werden. Schließlich sollte eine besonders relevante Mikroalgen-Spezies auch an älteren Lachsen erprobt werden. Zusätzlich wurden in den Versuchen verschiedene Stressoren wie ein Salinitätswechsel oder zugelassene Reinigungsmittel eingesetzt, um zu prüfen, ob Mikroalgen im Futter die Auswirkungen von Stress bei Fischen reduzieren können. Am MRI wurde der Einfluss der Fütterungsvarianten auf die Qualität des Lachsfilets untersucht, wobei die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insbesondere wertgebende Inhaltsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren und Carotinoide erfassten.
Mehr gesundheitsfördernde Fettsäuren und Carotinoide
Ein Futterzusatz von acht bis 14 Massenprozent der Alge Schizochytrium limacinum führte nach acht Wochen zu einer ungefähren Verdopplung des Anteils der gesundheitsfördernden Docosahexaensäure (DHA) in den Muskellipiden der Lachse. Die Zunahme dieser Omega-3-Fettsäure war unabhängig von der gewählten Dosierung der Mikroalgen. Bei 14-prozentigem Algenzusatz konnten die Fische das Futter jedoch besser verwerten und zeigten ein signifikant schnelleres Wachstum. Darüber hinaus wurde selbst unter chronischem Stress eine relevante Senkung pro-inflammatorischer Lipide bei den Lachsen beobachtet. Die Verfütterung von Schizochytrium limacinum ermöglicht einen teilweisen Ersatz des Fischöls im Futter, wobei der physiologische DHA-Bedarf gewährleistet bleibt. Somit lassen sich im Sinne der Bioökonomie wilde Bestände von Futterfischen schonen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchungen lag auf der Anreicherung von Carotinoiden im Lachsfilet. Besonders interessant ist das Carotinoid Lutein, da dieser sekundäre Pflanzenstoff beim Menschen wichtig für die Augengesundheit ist. Im Projekt zeigte sich, dass die Alge Chlorella vulgaris sehr gut geeignet ist, um den Luteingehalt im Lachsfilet zu erhöhen – vor allem bei vorherigem Aufschluss der robusten Zellwände der Alge. Der 14-prozentige Zusatz dieser Mikroalge im Futter führte zu einem etwa 40-fach erhöhten Luteingehalt und einer deutlichen Gelbfärbung des Filets. Eine mögliche Interaktion mit dem rotfärbenden Carotinoid Astaxanthin, das in der kommerziellen Aquakultur eingesetzt wird, ist noch zu prüfen.
Insgesamt konnte gezeigt werden, dass sich ausgewählte Mikroalgen als Futterkomponente bei Atlantischen Lachsen positiv auswirken. Dies betrifft sowohl die Leistungsfähigkeit der Fische als auch die Produktqualität.