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Aktuelles

Fleischverzehr und Gesundheit

Kommentar zu aktuellen Publikationen in Annals of Internal Medicine

Fakt ist, dass die Ernährung kausal mit dem Erkrankungsrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 sowie weiteren Erkrankungen verbunden ist. Da diese Erkrankungen in westlichen Ländern sehr weit verbreitet sind, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährung gesundheitspolitisch sehr sinnvoll. Fakt ist auch, dass es keinen einzelnen Ernährungsfaktor gibt, der für sich alleine kausal mit dem Erkrankungsrisiko verbunden ist. Entscheidend für die gesundheitliche Wirkung ist die Zusammensetzung der gesamten Ernährung.

Eine Gruppe von Autoren mit der Bezeichnung „NutriRECS“ hat gerade in der Zeitschrift „Annals of Internal Medicine“ insgesamt sechs Publikationen veröffentlicht, welche ausschließlich die Bedeutung des roten Fleischs und daraus hergestellter Wurst für verschiedene Erkrankungen untersuchen und daraus Empfehlungen ableiten. Die Autoren kommen in ihrer Bewertung der wissenschaftlichen Studien auf der Basis von 12 Studien, die die strengen Beurteilungskriterien erfüllten, zu dem Schluss, dass sehr geringe negative Effekte eines höheren Verzehrs von rotem Fleisch und Wurst nachweisbar sind, gleichzeitig sei die gesamte Datenlage jedoch sehr unsicher. Als Fazit empfehlen deshalb die Autoren für Erwachsene weiterhin so viel Fleisch und Wurst zu essen wie bisher. Diese Schlussfolgerung ist in Anbetracht der Prävalenz ernährungsmitbedingter Erkrankungen kontraproduktiv und widerspricht den Empfehlungen aller nationaler und internationaler Ernährungsinstitutionen.

Grundsätzlich ist rotes Fleisch ein Lebensmittel, welches eine Reihe von essentiellen Nährstoffen beinhaltet und somit Teil einer gesunden Ernährung sein kann. Insofern spricht ernährungsphysiologisch nichts gegen den maßvollen Verzehr von rotem Fleisch und Wurst. Bei einem hohen Verzehr (der mittlere Verzehr liegt bei Männern bei 156 Gramm/Tag) ist üblicherweise die gesamte Ernährung ernährungsphysiologisch ungünstig zusammengesetzt. Die Reduktion des Verzehrs von rotem Fleisch und Wurst ist ein sinnvoller Ansatz, um die Energiezufuhr zu verringern und gleichzeitig die Aufnahme gesundheitsfördernder wie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe zu erhöhen. Letztendlich lässt sich der tägliche Verzehr von Fleisch nur in Kombination mit der gesamten Ernährung bewerten.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Arbeit der NutriRECS-Autoren ist die Bewertung der Studienqualität anhand von Kriterien, wie sie für die Bewertung klinischer Studien angewandt werden. Dieses Vorgehen hat u. A. zur Einschätzung der niedrigen bzw. unsicheren Datenqualität beigetragen. Ernährungswirkungen sind nicht mit Arzneimittelwirkungen vergleichbar und erfordern deshalb angemessenere Bewertungskriterien als die, welche von NutriRECS eingesetzt wurden.

Artikel "Red and Processed Meat Consumption and Risk for All-Cause Mortality and Cardiometabolic Outcomes: A Systematic Review and Meta-analysis of Cohort Studies" im Magazin "Annals of Internal Medicine"

© Shutterstock.com/ Rimma Bondarenko