Zum Inhalt springen

Aktuelles

Humanes Darmmikrobiom-Virus weltweit nachgewiesen

Erfolgreiche Zusammenarbeit von 117 Wissenschaftlern

Wir sind alle gleich – aber doch sind wir auch alle verschieden. Die neueste Forschungsarbeit unter Beteiligung des Instituts für Mikrobiologie und Biotechnologie des Max Rubner-Instituts (MRI) in Kiel zeigt, wie Bakteriophagen (bakterielle Viren) überall auf der Welt den Darmtrakt der Menschen besiedeln, dabei aber länderspezifische Unterschiede aufweisen.

In einer weltweiten Zusammenarbeit von 117 Wissenschaftlern aus 65 Ländern von sechs Kontinenten hat das internationale Team nachgewiesen, dass das häufige Darmvirus „CrAssphage“ in Abwässern aus mehr als einem Drittel der weltweit beprobten Kläranlagen nachzuweisen ist. Die Studie wurde am 8. Juli 2019 in der Zeitschrift „Nature Microbiology“ veröffentlicht.

Die Kieler Wissenschaftler aus dem MRI-Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie, Dr. Gyu-Sung Cho, Dr. Horst Neve, Prof. Charles M.A.P. Franz, haben dafür Daten von lokalen Klärwerkproben generiert, analysiert und zur Verfügung gestellt.

„Das ist eine einzigartige weltweite Kooperation, in der jeder dazu beigetragen hat zum Verständnis, wie sich unser Mikrobiom – ein essentieller Teil von dem, was wir sind -  sich mit der Zeit verändert“, sagt Institutsleiter, Prof. Franz.

Der Projektleiter der Studie, Professor Robert Edwards von der San Diego State University in Kalifornien, USA: „Wir sind allen beteiligten Kollegen rund um den Globus zu Dank verpflichtet, die uns dabei geholfen haben, die weltweite Diversität dieses einzigartigen Virus aufzuklären. Dieses Projekt ist in seiner weltweiten Bedeutung einmalig.”

Ko-Projektleiter, Professor Bas Dulith von der Utrecht Universität in den Niederlanden hat eine Hypothese, warum dieses Virus soweit auf der Erde verbreitet ist. „Dieser „CrAssphage“ hat wohl keinen Vorteil für uns Menschen, zum Beispiel für unsere Gesundheit. Aber wir haben nahverwandte Phagen auch in Fäzesproben von Gorillas, Affen und anderen Wildprimaten gefunden. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse denken wir, dass „CrAssphage“ sich zusammen mit uns über Millionen von Jahren entwickelt hat - und sich zusammen mit den Menschen über den ganzen Globus verbreitet hat. Dies ist das erste Mal, dass gezeigt werden konnte, dass unsere humanen Darmviren genauso alt sein können wie die Menschheit.“

Für die Kieler Mikrobiologen war es eine außergewöhnliche Erfahrung, an diesem globalen Konsortium zur Erforschung dieses ungewöhnlichen Virus beteiligt gewesen zu sein.

„CrAssphage“ ist auch ein Indikator von fäkalen Verunreinigungen und kann vielleicht eines Tages Wissenschaftlern helfen, das Darmmikrobiom durch die gezielte Bekämpfung von schädlichen Bakterien positiv zu beeinflussen.

 

 

Elektronenmikroskopische Aufnahme des Bakteriophagen фCrAss001 (Shkoporov et al. 2018. Nature Communications 9:4781) Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Colin Hill (APC Microbiome Ireland & School of Microbiology, University College Cork)