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Aktuelles

Mikrobiota und Gesundheit

Neue AG Darm-Mikrobiota

„Im Darm liegt der Tod“, heißt es in einem alten Sprichwort. Heute wissen wir: im Darm liegt auch ein guter Teil unserer Gesundheit. Dabei spielen die Mikroorgansimen – die sogenannte Darm-Mikrobiota – eine besondere Rolle. Um die komplexen Wirkungen der Darm-Mikrobiota auf die Gesundheit zu erforschen, wurde am MRI nun eine institutsübergreifende Arbeitsgruppe gegründet. Erste Aufgabe ist es, die Bedeutung von Lebensmittel-assoziierten Mikroorganismen  für die Gesundheit des Menschen zu untersuchen.
Für viele von uns sind Bakterien und andere Mikroorganismen vor allem als „Keime“ bekannt, also eher als unerwünschte oder sogar gefährliche Krankheitserreger. Aber, je besser wir die Vielfalt der Bakterien verstehen lernen, umso mehr zeigt sich, dass viele Arten nicht nur nützlich, sondern für ein gesundes Leben unverzichtbar sind. Zahlreiche Projekte erforschen heute das „Ökosystem Mensch“ mit seiner Vielfalt an mikroskopischen Bewohnern, die in ihrer Gesamtheit als die Humane Mikrobiota bezeichnet werden. Die größte Zahl und Vielfalt findet man dabei im Dickdarm, wo die Mikrobiota des Darmes eine wichtige Rolle für die Gesundheit spielt. Zahlreiche Studien zeigen Assoziationen zwischen einer Dysbiose, also einer Störung der Darmmikrobiota und bestimmten Krankheiten.  Die Darm-Mikrobiota beeinflusst die Gesunderhaltung des Darms und des ganzen Körpers. Sie passt sich an unsere Ernährung an und wandelt  Bestandteile der Nahrung um, die der menschliche Körper nicht selbst verarbeiten kann. Vor allem Ballaststoffe gelangen unverdaut in den Dickdarm, wo sie den dort ansässigen Mikroorganismen als Nahrung dienen. Dabei produzieren diese eine Vielzahl von Stoffen, die für unsere Gesundheit nützlich sind. In einem gesunden Darm bildet sich so bei ausgewogener Ernährung ein stabiles Gleichgewicht, das die Versorgung des Körpers mit Nährstoffen unterstützt und das Risiko von Infektionen, Darmkrebs und anderen Erkrankungen reduziert und damit die Gesundheit fördert.
Zu den Aufgaben des Max Rubner-Institutes zählt die Beantwortung der Frage, was genau eine gesunde Ernährung  ausmacht. Um die komplexe Bedeutung von Mikroorganismen für die gesundheitlichen Aspekte der Ernährung besser zu verstehen wurde daher die institutsübergreifende Arbeitsgruppe „Darm- und Lebensmittel-Mikrobiota“ gegründet. An allen Standorten des Max Rubner-Institutes erforschen Wissenschaftler gemeinsam Mikroorganismen im Darm und in Lebensmitteln und wie die Ernährung zu einem gesunden Gleichgewicht der Darm-Mikrobiota beitragen kann. Dabei kommen moderne Technologien zum Einsatz, darunter die Hochdurchsatzsequenzierung bakterieller DNS zur Bestimmung der Zusammensetzung der Mikrobiota (Metagenomics) und die Metabolomanalytik durch Massenspektrometrie (MS) und Kernspinresonanzspektroskopie (NMR). Um Fragestellungen auf möglichst breiter Basis untersuchen zu können, werden Proben von Lebensmitteln, Humanstudien und Tierversuchen verwendet. In den so genannten TIM (TNO-Intestinal Model)-Geräten kann die Verdauung im Dünndarm bzw. im Dickdarm in Form eines computergesteuerten in vitro Modells simuliert und direkt chemisch und mikrobiologisch untersucht werden.
Als erstes Forschungsprojekt der Arbeitsgruppe wird die Bedeutung von Lebensmittel-assoziierten Mikroorganismen  für die Gesundheit des Menschen untersucht. Vor allem in fermentierten Lebensmitteln wie Joghurt, Käse, Sauerkraut und Salami nehmen wir große Zahlen zum Teil noch lebensfähiger Mikroorganismen auf. Sind sie nur als „Arbeitstiere“ nützlich für den Fermentationsprozess oder haben sie selbst auch einen Einfluss auf unsere Darm-Mikrobiota und damit unsere Gesundheit? Diese Frage soll die Arbeitsgruppe näher untersuchen.

© iStockphoto.com/ Dr_Microbe