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Insekten als alternative Proteinquelle

Bisher im europäischen Raum kaum genutzt und beachtet, zeichnen sich Insekten durch ein gutes ernährungsphysiologisches Profil aus und überzeugen durch ihre geringe ökologische Belastung. Laut FAO werden weltweit bereits mehr als 1900 verschiedene essbare Insektenarten konsumiert und gehören damit für 2 Milliarden Menschen zum festen Bestandteil der Nahrungsaufnahme.


Bei neuartigen Lebensmitteln stellen sich Fragen nach möglichen gesundheitlichen Sicherheitsrisiken, die durch die Nutzung und Verarbeitung entstehen können, aber auch zum Potenzial des neuen Lebensmittels. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Lebensmittel- und Bioverfahrenstechnik forschen darum seit zwei Jahren an der Beurteilung der Larven des Mehlkäfers Tenebrio molitor, auch bekannt als Mehlwürmer. Mehlwürmer weisen einen hohen Protein- und Fettgehalt auf und sind reich an den wichtigen Spurenelementen Calcium, Eisen und Zink. Auch der Gehalt von Vitaminen wie Pyridoxin, Riboflavin, Folat und Vitamin B12 ist ernährungsphysiologisch relevant und teilweise höher als in herkömmlichen Fleischquellen oder pflanzlichen Produkten. Besonders interessant ist für die Forschung, inwiefern diese Nährstoffe dem menschlichen Körper zugänglich sind oder durch Verarbeitungsprozesse verfügbar gemacht werden können. Bestandteile wie beispielsweise Chitin, die in herkömmlichen Proteinquellen kaum vorkommen, können die Aufnahme von Spurenelementen und Fetten beeinflussen. Auch kann die chemische Zusammensetzung der Mehlwürmer über gezielte Fütterung verändert und Nährstoffe angereichert werden. Die damit verbundene Möglichkeit, Insekten als optimierte Nährstofflieferanten zu verwenden, beinhaltet aber auch das Risiko, ungewollt möglicherweise vorhandene Schadstoffe über verunreinigtes Futter zu akkumulieren. Mit Hilfe eines standardisierten in-vitro Verdauungsversuchs und anschließender Analyse werden erste Erkenntnisse über die Wirkung des Insektenverzehrs im menschlichen Organismus gewonnen. 


Es gibt erste Hinweise auf Kreuzallergiene von Insekten mit Hausstaubmilben und Krebstieren. Die dafür verantwortlichen Eiweiße können durch verfahrenstechnische Methoden modifiziert und damit das allergene Potenzial im Idealfall reduziert werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln Nachweisverfahren, die es ermöglichen, Strukturänderungen auf Proteinbasis zu detektieren und damit den Einfluss von Prozessschritten auf die Allergenität von Lebensmitteln abzuschätzen.


Seit dem 1. Januar 2018 wird das Inverkehrbringen von Insekten als Lebensmittel oder Lebensmittelzutat in der EU durch die überarbeitete Version der Novel Food-Verordnung geregelt. Sie beinhaltet ein vereinfachtes und beschleunigtes Zulassungsverfahren, das für traditionelle Lebensmittel aus Drittländern einen erleichterten Marktzugang sichert. Daher ist in 2018 mit Zulassungsanträgen für Insekten als Nahrungsmittel zu rechnen. In der Schweiz und in Finnland sind bestimme Insekten als Lebensmittel bereits zugelassen (seit dem 01.05.2017 bzw. dem 01.11.2017).

© Christine Hoi - Shutterstock.com