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Pressemitteilung vom 28.03.2011

Leitstelle Umweltradioaktivität

Max Rubner-Institut überwacht Umweltradioaktivität seit 50 Jahren

Mitarbeiterin in der Leitstelle Umweltradioaktivität am Standort Kiel

Eine vorsorgliche Überwachung der Umweltradioaktivität durch die Vorgängerinstitution des Max Rubner-Instituts gibt es auf freiwilliger Basis schon seit Ende der 50er Jahre. Mit dem Ausbau der Kerntechnik in Deutschland wurde diese Überwachung immer strukturierter. Eine Konsequenz des Tschernobyl-Unfalles im Jahr 1986 war das Integrierte Mess- und Informationssystem des Bundes (IMIS) zur Überwachung der Umweltradioaktivität. Im Rahmen dieses umfassenden Systems werden auch Futtermittel sowie Nahrungsmittel tierischer und pflanzlicher Herkunft nach festgelegten Probenentnahmeplänen von den amtlichen Messstellen der Länder genommen und gemessen. Diese Überwachung schließt Importe ein. Die Messergebnisse gehen an die Leitstelle zur Überwachung der Umweltradioaktivität am Institut für Sicherheit und Qualität bei Milch und Fisch des Max Rubner-Institutes in Kiel, wo die Prüfung der Ergebnisse auf Plausibilität und die Bewertung erfolgt. Künstliche (anthropogene) Radionuklide wie Strontium-90, Iod-131, Cäsium-137 werden routinemäßig erfasst. Sie werden im BMU Jahresbericht „Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung“ zusammengefasst und veröffentlicht (www.bmu.de/strahlenschutz/doc/38513.php).

Nach Erkenntnisstand der Leitstelle ist die Kontamination der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Deutschland mit diesen Radionukliden auf ein sehr niedriges Niveau abgefallen. Dies gilt zum Beispiel für die Milch, die einen guten Indikator für die Kontamination der Nahrungskette mit künstlichen Radionukliden darstellt. Die Aktivitätskonzentrationen der künstlichen Radionuklide in Milch deutscher Herstellung entsprechen den Werten, die vor dem Tschernobyl-Unfall vor 25 Jahren gemessen wurden, nämlich in Rohmilch weniger als 0,03 (Schwankungsbereich weniger als 0,02 bis 0,19) Becquerel Sr-90 pro Liter Milch bzw. weniger als 0,19 (Schwankungsbereich weniger als 0,02 bis 2,5) Becquerel Cs-137 pro Liter Milch. Dies wird durch monatliche Messungen von Milchpulverproben aus dem gesamten Bundesgebiet an der Leitstelle bestätigt.

Eine signifikante Erhöhung der Kontamination in der Europäischen Union ist durch die Freisetzung von Radionukliden aus den havarierten Kernreaktoren in Fukushima nicht zu erwarten. Auf dem langen Weg nach Europa werden die Radionuklidkonzentrationen durch den physikalischen Zerfall der kurzlebigen Nuklide (wie z.B. Iod-131 mit einer Halbwertszeit von nur 8 Tagen), durch Sedimentierung, Auswaschung durch Schnee und Regen sowie Verdünnung über die große Entfernung stark abnehmen. Tschernobyl liegt etwa 1600 km, Fukushima jedoch über 9000 km von Deutschland entfernt. Die zu erwartenden, sehr geringen Konzentrationen in der Luft werden dann wahrscheinlich nur mit speziellen Spurenmessgeräten nachweisbar sein. Solche Messstationen werden vom Bundesamt für Strahlenschutz sowie vom Deutschen Wetterdienst betrieben.
Da lediglich Spezialitäten (wie z.B. Teesorten, möglicherweise Sojasaucen, Zusatzstoffe) aus Japan importiert werden, ist eine Gefahr durch das Inverkehrbringen von kontaminierten Futter- und Nahrungsmitteln nicht zu erwarten. Trotzdem wird die Lage aufmerksam beobachtet. Aus der Erfahrung nach dem Tschernobyl-Unfall haben sich die Mitgliedstaaten der EU schon 1987 auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt, um im Bedarfsfall sicherzustellen, dass nur Nahrungs- und Futtermittel in die EU verbracht werden, deren Radionuklidkonzentrationen festgelegte Höchstwerte nicht überschreiten.


Kontakt:

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