Qualitäts- und Nematoden- untersuchungen an Konsumfischen der Nordsee
Bericht über die 321. Reise Walther Herwig III vom 26.03. bis 13.04.2009
Schwerpunkte der Untersuchungen auf der 321. Reise des FFS „ W. Herwig III“ waren Fragen des Verbraucherschutzes und der Qualität von Fischen und Fischereierzeugnissen.
In Kooperation mit einem norwegischen Wissenschaftler wurden Untersuchungen zur Belastung von Konsumfischen mit Nematodenlarven durchgeführt.
Aus verschiedenen Fanggebieten wurden repräsentative Proben von Fischen, Krebs- und Weichtieren, für molekularbiologische Artenbestimmungen der Bakterienstämme, zur genetischen Differenzierung der Fischpopulationen und für die organischen und anorganischen Rückstandsuntersuchungen gesammelt und vorbereitet.
Zur Überprüfung des Abbaus der Aminosäure Taurin wurden Eislagerversuche mit ganzen Seelachsen durchgeführt.
Aufgaben der Fahrt
- Untersuchungen zur Nematodenbelastung von Nutzfischen, insbesondere von Sprotte, Seehecht und Knurrhahn aus verschiedenen Fanggebieten Nordenglands und der norwegischen Küste in Abhängigkeit vom Fanggebiet.
- Isolierung und Präparierung von Nematoden verschiedener Parasitenarten aus definierten Fischarten für spätere DNA-Untersuchengen im Rahmen der Aufgaben des Nationalen Referenzlabors.
- Untersuchungen zur fangplatzspezifischen Belastung von Kabeljau– und Seeteufellebern mit Dioxinen und dioxinähnlichen PCBs
- Untersuchung des Ichthyophonusbefalls von Heringen der Nordsee
- Erfassung der Florenzusammensetzung der in der Nordsee vorkommenden verschiedenen Shewanella-Stämme. Für spätere Identifizierung im Labor werden Shewanellastämme von kommerziell genutzten Fischarten gesammelt.
- Sammeln von Proben für die Entwicklung eines PCR-gestützten Systems zur Beurteilung der mikrobiologischen Qualität von Seefischen.
- Probenahme für die Bestandsdifferenzierung verschiedener Nutzfischarten mittels Microsatelliten-PCR.
- Überprüfung des Taurinabbaus bei der Eislagerung von Seelachs.
- Probenahme für Untersuchungen zur Belastungssituation von Fischarten der Biskaya mit polyfluorierten Tensiden (PFTs)
- Probenahme für verschiedene Projekte des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Milch und Fisch.
Fahrtverlauf
Das FFS „Walther Herwig III“ (W.H. III) lief am 26.März 2009 gegen 15:00 Uhr aus Bremerhaven zu seiner 321. Forschungsreise aus. Die wissenschaftlichen Arbeiten begannen am 27.03.09 in der Nähe westlich von Helgoland und wurden in den darauf folgenden Tagen kontinuierlich nördlich fortgesetzt. Ab dem 28.03.09 wurde entlang der norwegischen Rinne gefischt, wo größere Mengen Seelachs für u.a. die Bestandsuntersuchungen gesammelt werden konnten. In den folgenden Tagen wurde die Fischerei weiter nördlich verlagert. Die artenreichen Fänge ermöglichten eine umfangreiche Probennahme für die verschiedenen Arbeitsprogramme Am 03.04.09 machte die W.H. III gegen 10:00 in Aberdeen / Großbritannien fest. Die Kolleginnen des Max Rubner-Institutes Standort Karlsruhe gingen am nächsten Tag von Bord und ein norwegischer Kollege des NIFES stieg zu und blieb bis zum Ende der Reise. Am gleichen Tag gegen 10:00 Uhr lief die W.H. III aus Aberdeen aus.
Am 04.04.09 wurden die Arbeiten östlich Nordenglands fortgesetzt. Für benötigte Rotbarschfänge wurde nördlich der Shetland-Inseln weitergefischt. Die weitere Reise verlief weiter quer südlich durch die Nordsee bis zur Doggerbank. Die Fischerei wurde am 12.04.09 beendet und am 13.04.2009 lief die W.H. III in Bremerhaven ein.
Erste Ergebnisse
Alle gestellten Aufgaben der Fahrt konnten erfolgreich bearbeitet werden.
In den insgesamt 48 Hols wurden Proben von mehr als 30 verschiedenen Fischarten und Krebs- und Weichtieren für weitere wissenschaftliche Untersuchungen gesammelt und entsprechend aufbereitet.
Nematodenuntersuchungen in Kooperation mit dem NIFES in Bergen/ Norwegen
Sprotten (Sprattus sprattus), Seehechte (Merluccius Merluccius) und Knurrhähne (Eutrigla gurnardus) sind Fischarten, die auf dem europäischen und deutschen Markt angeboten werden. Wie alle anderen Seefische können sie Nematodenlarven enthalten.
Untersuchungsziele waren die Ermittlung der Nematodenarten und -verteilung im Fisch. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass Sprotten aus der Nordsee stärker befallen sind als Sprotten aus der Ostsee. Umgekehrt sind Seehechte aus der Nordsee geringer befallen als entsprechende Fische aus der Biskaya. Erstmals wurden in enger Kooperation mit dem NIFES umfangreiche Untersuchungen zum Nematodenbefall vom grauen Knurrhahn durchgeführt.
Im Fleisch wurden ausschließlich Anisakislarven nachgewiesen, während in den Eingeweiden auch Hysterotylaciumlarven identifiziert werden konnten.
Eine Bestätigung der morphologischen Befunde wird durch DNA-Analyse beim NIFES in Bergen erfolgen. Bei der Untersuchung der kommerziell wichtigen Heringsbestände ist zukünftig eine enge Zusammenarbeit und ein Austausch der Daten geplant. Die an den Instituten eingesetzten Analysenverfahren sollen weitgehend angeglichen werden.
Ichthyophonusbefall von Heringen
Nach kürzlichen Meldungen über einen stärkeren Ichthyophonusbefall bei isländischen Heringsbeständen wurden über 1000 Heringe aus der nördlichen Nordsee untersucht.
Es konnte erfreulicherweise nur ein sehr geringer Befall festgestellt werden.
Untersuchungen zur fangplatzspezifischen Belastung
Für die Rückstandsuntersuchungen wurden zahlreiche Proben gesammelt und entsprechend aufbereitet. Das Probenmaterial ermöglicht u.a. die Absicherung der bisher gewonnenen Erkenntnisse über mögliche fangplatzspezifische Unterschiede in der PCB/Dioxin - Belastung von Dorschlebern und liefert neues Material zur Untersuchung der Belastungssituation von Fischarten der Nordsee mit polyfluorierten Tensiden (PFTs).
Shewanella-Stämme
Zur weiteren molekularbiologischen Artbestimmung wurden aus dem beprobten Bereich aus Wischproben von verschiedenen Fischarten über 400 mutmaßliche Shewanella-Einzelkolonien isoliert und für die weitere Arten- / Stammdifferenzierung tiefgekühlt konserviert.
DNA- und RNA-Proben für epigenetische Herkunftsuntersuchungen
Im gesamten Untersuchungsbereich ist es gelungen, zahlreiche Gewebe- und Leberproben aus verschiedenen Fischarten für epigenetische Herkunftsuntersuchungen zu gewinnen und zu konservieren. Damit steht ein umfangreiches Probenmaterial, welches die gesamte Nordsee abbildet, zur Verfügung.
Während der gesamten Reise erfolgte weiterhin eine Probennahme und –vorbereitung der in diesen Regionen beheimateten Plattfischarten zur Aufstockung des Referenzmaterials für die DNA- Datenbank im MRI.
Außerdem wurden Filetproben von Hering, Seelachs und Seeteufel zur Differenzierung verschiedener Fischpopulationen durch Mikrosatelliten-PCR entnommen.
