Die Nationale Verzehrsstudie II
Was kommt in Deutschland auf den Tisch? Sind wir ausreichend mit Nährstoffen versorgt? Gibt es beim Essen noch immer Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern?
Um diese und weitere Fragen zu beantworten, hatte das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2002 das Max Rubner-Institut (ehemals Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel) beauftragt, eine neue Nationale Verzehrsstudie (NVS II) zu planen und durchzuführen. Die erste und bis dahin einzige große repräsentative Verzehrsstudie lag gut 20 Jahre zurück und betraf nur die alten Bundesländer. Seitdem haben sich sowohl das Lebensmittelangebot als auch das Arbeits-, Freizeit- und Konsumverhalten der Bevölkerung deutlich gewandelt. Aktuelle, für das Bundesgebiet repräsentative Daten waren somit dringend erforderlich.
Die NVS II hat zum Ziel, für Deutschland repräsentative Daten zum aktuellen und üblichen Verzehr an Lebensmitteln aufzuzeigen und die daraus berechnete Nährstoffzufuhr der Bevölkerung abzubilden. Zwischen November 2005 und November 2006 wurden 20.000 deutschsprachige Personen im Alter zwischen 14 und 80 Jahren befragt.
Um den Ernährungsstatus und das Ernährungsverhalten optimal zu erfassen, wurden unterschiedliche Erhebungsinstrumente eingesetzt. Mit Hilfe eines computergestützten Diet-History-Interviews wurden die übliche Ernährung, die Mahlzeitenstrukturen und die Ernährungsgewohnheiten erfasst. Soziodemographische Basisdaten wurden mittels eines computergestützten, persönlichen Interviews gewonnen. Die Teilnehmer erhielten außerdem einen Fragebogen zum Aktivitäts- und Ernährungsverhalten. Darüber hinaus wurden Körpermessungen vorgenommen. Anschließend wurde an zwei zufällig ausgewählten Tagen in telefonischen Interviews der aktuelle Verzehr der letzten 24 Stunden erfragt. Eine Unterstichprobe von 1.000 Personen führte außerdem je zwei viertägige Wiegeprotokolle durch. Eine ausführliche Beschreibung zur Methodik, zur Durchführung sowie zum Datenmanagement findet sich in einem öffentlich zugänglichen Bericht.
Aus dem gewonnenen Datenmaterial lassen sich unter anderem neue Erkenntnisse über die Nährstoffaufnahme und Verzehrsgewohnheiten der in Deutschland lebenden Bevölkerung gewinnen. So unterscheiden sich die Essgewohnheiten der Bewohner der neuen Bundesländer im Vergleich zu den alten Bundesländern unter anderem durch den vergleichsweise hohen Verbrauch an Streichfetten. Bei den Frauen ist Brandenburg mit 31 g/Tag Spitzenreiter, bei den Männern Mecklenburg-Vorpommern mit 52 g/Tag. Am sparsamsten gehen die Frauen aus Nordrhein-Westfalen mit den Streichfetten um (17 g/Tag).
Die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten von Männern und Frauen zeigen sich auch an anderer Stelle deutlich. So essen Männer doppelt soviel Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnisse wie Frauen. Täglich essen sie 103 Gramm davon. Bei Frauen landen pro Tag nur 53 Gramm auf dem Teller.
Zu Supplementen greift fast ein Drittel der Befragten – und das obwohl bei den meisten Vitaminen die mittlere Zufuhr den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entspricht oder diese sogar übersteigt. Im Alter von 35 bis 50 Jahren werden am meisten Supplemente eingenommen.
In einem zweiten Bericht finden sich weitere Details zu Lebensmittelverzehr, Nährstoffaufnahme und Supplementeinnahme. Der Bericht enthält außerdem Aussagen zum Ernährungsverhalten der Menschen verschiedener Schichten, zu regionalen Unterschieden sowie zum Verzehr der wichtigsten Lebensmittelgruppen.
